Höhepunkt der Festwoche „450 Jahre Ratsgymnasium Erfurt“: Fulbert Steffensky

(17.12.2011) — Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Der Abschluss der Festwoche zum 450. Schuljubiläum des Evangelischen Ratsgymnasiums Erfurt war ein Festvortrag des Theologen Prof. Dr. Fulbert Steffensky am Abend des 15. Dezembers in der Aula der Schule. Steffensky widmete sich mit warmen weisen Worten und zahlreichen Beispielen aus der eigenen Lebenswelt der Frage "Brauchen Kinder Religion oder lassen wir ihnen lieber die Freiheit?" und brachte so die Zuhörer, darunter Pfarrer, Lehrende, Religionspädagogen und Eltern, zum Schmunzeln und Nachdenken.

Zu Beginn seiner Ausführungen verglich er die heutige Lebenswelt von Schülerinnen und Schülern mit seiner eigenen damals. Der entscheidende Unterschied liege darin, dass die Stimme der Tradition leiser geworden ist. Bräuche und Rituale seien inzwischen weniger relevant. Anstatt den Lebensentwurf der Eltern und Großeltern zu übernehmen, könnten Kinder heute aus vielfältigeren und grundlegend unterschiedlicheren Lebensoptionen wählen. "Die Signatur von heute ist die Säkularisierung", fasste der ehemalige Benediktinermönch zusammen.

Vor diesem Hintergrund ist nach Steffenskys Meinung auch zu fragen, ob Kinder Religion brauchen. "Dabei darf jedoch nicht nach dem Zweck von Religion gefragt werden. Es gibt Dinge, die sich nicht durch ihre Zwecke rechtfertigen: Lieder, Gedichte, Küsse, Gebete. Wer es versucht, sie von ihrem Zweck her zu beschreiben, verdirbt sie", so Steffensky. Religion sei auch kein Erziehungsmittel, sondern von ihrem Wesen her einfach nur "schön". Ihre Gebete, ihre poetische Sprache, ihre Bilder und Rituale seien wegen des nicht zu definierenden Zwecks auch nicht zu bewerten. Die Frage also, ob man Kinder religiös erziehen darf, sei durch die zu ersetzen, ob man ihnen Religion vorenthalten kann.

Für den Theologieprofessor ist klar: Um eine Entscheidung für oder gegen einen religiös geprägten Lebensentwurf zu treffen, müsse den Kindern erst einmal beides authentisch vorgelebt werden. "Erwachsene bieten immer Lebensvorlagen an. Aber um Entscheidungen treffen, um einen Lebensweg einschlagen zu können, brauchen Kinder Menschen mit klaren Gesichtszügen", sagte Steffensky: "Eben solche, die für ihr Lebenskonzept ‚missionieren‘ - im nicht konnotierten Sinne dafür werben, ohne dies den Kindern als einzige, allgemeingültige Wahrheit zu vermitteln." Kinder bräuchten klare Konzepte: entweder um sie anzunehmen, aber zumindest um zu wissen, was keine Option für sie darstellt.



Ein großer Dank geht an den Kirchenkreis Erfurt. Von ihm war vor eineinhalb Jahren die Initiative ausgegangen, Fulbert Steffensky zu einem Vortrag im Rahmen der Festwoche einzuladen. Es war ein schöner, bereichernder Abend.


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