„Siehe, ich mache alles neu“ – Hoffnung zwischen Geschichte und Gegenwart

Die Jahreslosung 2026 steht im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, Kapitel 21, Vers 5: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.“ Der Satz ist Teil einer Vision, die der Apostel Johannes während seiner Verbannung auf der Insel Patmos empfing. 

Das Buch der Offenbarung entstand in einer Zeit politischer Unsicherheit: Christen im Römischen Reich litten unter Verfolgung, ihre Zukunft war ungewiss. Inmitten dieser Bedrängnis entwirft Johannes ein Bild radikaler Hoffnung: eine neue Welt, in der Leid, Tod und Tränen überwunden sind. Historisch gesehen war das eine Botschaft des Widerstands gegen die scheinbar unbesiegbare Macht Roms. Sie versprach nicht nur Trost, sondern eine grundlegende Umkehr der Verhältnisse.

Doch was bedeutet „alles neu“ heute? Gerade Schule ist ein Ort, an dem sich diese Hoffnung auf Erneuerung täglich konkret zeigt. Kinder und Jugendliche wachsen hier nicht nur an Wissen, sondern aneinander. Sie machen Fehler, beginnen neu, entdecken Begabungen und entwickeln Haltungen. Als evangelischer Schulträger verstehen wir unsere Schulen als Räume, in denen Hoffnung gelernt werden darf: dass niemand festgelegt ist auf das, was war, und dass Entwicklung möglich ist – persönlich, gemeinschaftlich und gesellschaftlich. „Alles neu“ heißt für uns auch: junge Menschen zu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen, kritisch zu denken und mit Zuversicht in die Zukunft zu gehen.

Die Losung erinnert uns daran, dass Erneuerung möglich ist. Nicht nur kosmetisch, sondern tiefgreifend. Sie fordert uns auf, alte Denkmuster loszulassen und neue Wege zu gehen. „Neu“ beginnt oft im Kleinen: in einem versöhnenden Gespräch, in einer mutigen Entscheidung, in einem Akt der Solidarität. Die Vision des neuen Himmels und der neuen Erde ist kein fernes Märchen, sondern eine Einladung, Hoffnung konkret werden zu lassen. Gleichzeitig bleibt eine Spannung: Wir sehen Brüche, Ungerechtigkeit und Leid. 

Das Buch der Offenbarung spricht von einer Zukunft, die wir nicht selbst herstellen können. Wir können lediglich dazu beitragen. Aber das können wir immerhin. Und genau das macht die Jahreslosung so aktuell: Sie verbindet die Sehnsucht nach einer heilen Welt mit der Verantwortung für das Heute. „Alles neu“ heißt: Wir dürfen auf Veränderung hoffen und selbst Schritte der Erneuerung gehen. 

In einer Zeit, die oft alt und müde wirkt, ist die Zusage Gottes wie ein Gegenwort. Sie öffnet den Blick für Möglichkeiten, die größer sind als unsere Angst. Sie ist wie der Ruf, nicht zu resignieren, sondern mit Hoffnung und Tatkraft zu leben.


Für das neue Jahr wünsche ich Ihnen und Ihren Familien Gottes Segen. 
Bleiben Sie bewahrt und behütet und seien Sie herzlich gegrüßt.

Ihr
Dr. Ekkehard Steinhäuser
Stiftungstheologe